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Städte im Bezirk

Rusnė (Russ)

Rusnė ist eine der ältesten Siedlungen im Delta vom Nemunas, schon im XV. Jh. gegründet. Auf der Windfahne des Kirchturms ist das Jahr 1419 verzeichnet. Rusnė ist die einzige litauische Stadt auf einer Insel. Beim Hochwasser im Frühling werden etwa 40 tausend Hektar Wiesen überflutet. Die Bevölkerung von Rusnė wird gegen das Hochwasser durch Wälle geschützt. Auf der Insel ist ein Poldersystem mit 20 Wasserpumpanlagen eingerichtet. Am Dumblės See ist die Grundoberfläche 1,3 m unter dem Meeresspiegel. Im Sommer wird Rusnė zu einem der meist besuchten Orte. Hier kommen die Touristen nicht nur aus Litauen, sondern auch aus Deutschland, Dänemark und anderen Ländern. Im Jahre 2002 ist ein Informationszentrum in Rusnė etabliert worden. Die alten Fischertraditionen erleben ihre Wiedergeburt. In Rusnė kann man eine Kirche, altes Postamt, ethnographisches Fischergehöft von K. Banys, Leuchtturm Uostadvaris (1876) und die erste Wasserpumpanlage (1907) besuchen. Rusnė ist ein Grenzstädtchen, an dem anderen Ufer der Skirvytė ist das Kaliningrader Gebiet der Russischen Föderation.


Kintai (Kinten)

Kintai ist eine Kurortsiedlung am Kurischen Haff. Sie ist von einem wunderschönen 600 ha großen Kiefernwald, dem sogenannten Kintenwald, umgeben. Die Kirche von der Windenburger Ecke (Ventė), nach Kinten versetzt. Der Altar ist mit alten geschnitzten Brettern versehen. Die künstlerisch geschnitzten Bretter, Firstzierleisten und Dachfirste schmückten traditionell das Haus von jedem Fischer. Die Silhouetten dieser Zierelemente ließen sich auch an Grabdenkmälern und Wimpeln der Fischerboote finden.
In der Nähe von Kintai lebte der Fischereiinspektor, der Kaufmann mit englischer Abstammung, Wilhelm Beerbom, der 1844 das Markieren der Fischerboote vom Kurischen Haff an den Wimpeln eingeführt hat. Solche zierlichen und eigenartigen Wimpel hat es nirgendwo in Europa gegeben. In Kintai war 1888 der künftige litauische Philosoph und Schriftsteller Vydūnas (1868-1953) als Lehrer tätig. Im Gebäude der alten Schule ist das Vydūnas-Kulturzentrum gegründet. Dabei sind ein kleines Museum, eine Kunstgalerie und eine Kinderkunstschule eingerichtet. Der Küstenstreifen zwischen Kintai und Ventė wurde den Malern zum beliebtesten Ort für Freilichtmalerei im Sommer. In der Nachbarschaft, am Fluss Minija, liegt das Dorf Mingė, das als litauisches Venedig bezeichnet wird. Beiderseits des Flusses wohnende Leute können einander nur mittels der Boote erreichen.



Ventės ragas (Ventė-Horn)

Ventės ragas (Windenburger Ecke) ist der westlichste Punkt des Bezirks Šilutė. An der Eckspitze funktioniert der Leuchtturm schon mehr als 100 Jahre (seit 1863). Für Schiffe und Flösse war dieser Ort besonders gefährlich. Solange der König-Wilhelm-Kanal, der Klaipėda mit dem Nemunas verband, nicht in Betrieb genommen war, fanden viele Schiffe ihr Verhängnis hier. 1929 gründete der Professor Tadas Ivanauskas in Ventės Ragas eine Vogelberingungsstation. In hiesigen sieben Fanganlagen gefundene Vögel werden beringt und später im Iran, Ägypten und sogar Südafrika getroffen. In der Ornithologiestation von Ventės Ragas befindet sich ein Museum. 1999 wurde in Ventės Ragas das Festival der Kurzfilme unter dem Titel Tinklai (Netze) veranstaltet, woran der berühmte Regisseur Peter Creenway teilgenommen hat. Das Filmfestival findet jedes Jahr statt. Die Vergangenheit von Ventės Ragas ist mit Legenden und wahren Ereignissen umwoben. 1360 hat der Kreuzritterorden in Ventė eine Burg gebaut, die dem Nemunas-Wasserweg Widerstand leisten sollte. Aber die Burg wurde von den Wellen des Kurischen Haffs unterhöhlt und stürzte ins Wasser. Doch blieb die Burg auch unter dem Wasser bekannt, ihre Stelle wird nicht nur in einer alten Landkarte vermerkt.


Švėkšna

Das Städtchen Švėkšna ist berühmt durch die im ganzen Bezirk höchste zweitürmige (75 Meter hoch), aus roten Ziegelsteinen 1905 gebaute Kirche, durch den im XVIII. Jh. vom Grafen Pliateris angelegten Park mit einzigartiger Lindenallee, der Villa Genowefa, Paläste und Skulpturen. Švėkšna gehörte zu Niederlitauen, deswegen unterscheiden sich sein urbanistischer Aufbau, Architektur und Gebäude von den Städtchen des Memellandes. Im Ortszentrum sieht man einen großen Marktplatz. Aus der Kirche gelangt man durch das restaurierte Tor über eine kleine Brücke in den alten Park, wo viele rare Bäume wachsen. In einem der Parkgebäude ist das Švėkšna Museum eingerichtet. Am Ende der Allee befindet sich die Villa Genowefa, die der Graf A. Pliateris seiner Frau gebaut hat. Neben der Villa steht die Skulptur des kleinen Hundes der Gräfin, Sonnenuhr und die Treppe, die zu den Teichen führt. Auf der Insel des großen Teiches ist die Skulptur der Jagdgöttin Diana gestellt. Der Palast des Grafen und noch ein Park befinden sich am anderen Ortsrand hinter dem alten Friedhof. Dort liegt eine alte Wassermühle, wo jetzt ein Hotel und ein ausgezeichnetes Restaurant eingerichtet sind. Auf dem Friedhof von Švėkšna ist der namhafte litauische Dichter und Historiker S. Stanevičius beigesetzt.



Žemaičių Naumiestis

Žemaičių Naumiestis ist auch ein altes niederlitauisches Grenzstädtchen mit typischem steingepflastertem Marktplatz. Das erste Mal wurde das Städtchen 1650 erwähnt. Nach Žemaičių Naumiestis führen 7 Wege. Der Ort besaß seit 1750 das Handelsprivileg und seit 1792 das Magdeburger Recht. In der alten 1790 gebauten hölzernen Erzengel Michael Kirche gibt es Werke der alten Malerei und Skulpturen. Nicht weit von Žemaičių Naumiestis ist der Autor des ersten litauischen Buches, Martynas Mažvydas, 1547 geboren und aufgewachsen. Ihm ist der Gedenkstein gewidmet. Die Architektur des Ortes ist seit vielen Jahren nicht verändert und lockt die litauischen Filmproduzenten an.



Degučiai

Degučiai war auch ein niederlitauisches Städtchen, das sehr früh die Stadtrechte erlangte, aber es wurde trotzdem zu keiner Großstadt. Hier steht eine kleine unikale 1757 gebaute und in ganz Europa einzige dreieckige Holzkirche. Daneben findet man einen hölzernen Glockenturm und eine Kapellensäule mit geschmiedetem Metallkreuz und Sonne, die der litauischen Sakralkultur eigen ist.



Vainutas

Vainutas ist eine Kleinstadt an der Grenze zu Niederlitauen (Samogitien) und liegt in einem sehr schönen Tal. Hier beginnt der Fluss Šyša seinen Weg. Seit 1853 arbeitete Antanas Baranauskas (1835-1902), der litauische Dichter und Literaturklassiker, als Gehilfe des Schriftführers. Das bedeutendste Werk des Dichters ist das Poem Anyksciu silelis (Der Hain von Anyksciai). In Versen hat der Dichter auch den Brand in Vainutas beschrieben. In der Nähe von Vainutas liegt Bikavenai, eine in den Straßenbeschreibungen der Kreuzritter vom XIV. Jh. erwähnte Siedlung.


Katyčiai (Koadjuthen)

Katyčiai (Koadjuthen) ist eines der ältesten Städtchen im Bezirk Šilutė. Durch Katyčiai hat der Kreuzritterorden eine der drei ersten Straßen nach Niederlitauen (Samogitien) gebaut. 1568 wurde die Kirche in Katyčiai errichtet, daneben entstand ein großer Marktplatz. Das Städtchen liegt am Fluss Šyša. Die heutige Kirche ist im Jahre 1734 gebaut worden. An der Kirche befindet sich der alte Friedhof. In der Zeit der sowjetischen Herrschaft war der Turm abgerissen, die Glocken waren weggebracht, und die Kirche wurde zum Kino. Sie wurde im Jahr 1991 restauriert, der Turm wieder aufgebaut.


Juknaičiai (Jugnaten)

Juknaičiai (Jugnaten) stellt ein Muster der neuen Dorfarchitektur dar. Die Siedlung war als Zentrum einer vorbildlichen Sowchose entworfen. Jetzt ist alles hier dem landschaftlichen Tourismus angepasst. Nicht weit von Juknaičiai, in Vyžiai (Wieszen), ist die restaurierte evangelisch-lutherische Kirche wieder eröffnet worden.